Eine Gastherberge „Zum Stern“ gab es bereits im 15. Jahrhundert in Nördlingen. Seit 1618 hieß sie „Zum Goldenen Stern“ und war eine der größten und angesehendsten der Stadt. Das Haus lag am später so genannten „abgebrannten Platz“ hinter dem Turm der St. Georgskirche, auch „Hölle“ genannt, dem heutigen Obstmarkt (Hauptwache). So erhielt es im Volksmund die Bezeichnung „Höllwirtschaft“. Hier logierte u.a. der siegreiche König Ferdinand nach der Schlacht von Nördlingen. Das imposante Gebäude wurde bei der Beschießung der Stadt 1647 zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Von 1673 bis 1920 existierte eine Wirtschaft „Zum goldenen Stern“ in der Baldinger Gasse 19, die von 1925 bis 1929 am Kohlenmarkt 5 und danach bis 1966 in der Mittleren Gerbergasse 6 weitergeführt wurde. Auf dem Haus liegt bis heute noch der Name und damit verbunden ein - allerdings ruhendes - Schankrecht.
Bevor das Haus 1929 Gastwirtschaft wurde, werden als Besitzer im 18. Jahrhundert ein Metzger Erdlein erwähnt, der es „samt Höflein und Brunnen“ dem Weißgerber Daniel Ulrich und dieser dem Lodweber Samuel Lemp verkaufte. Sowohl bei Metzger Erdlein als auch bei Samuel Lemp handelte sich um Notverkäufe. So versuchte Erdlein vergeblich, sein Darlehen mit Schweinshäuten abzutragen…
Johann Melchior Beyschlag, ebenfalls Lodweber, ersteht das Haus 1815, das kurz zuvor bereits als zweistöckiges Wohnhaus bezeichnet wurde, zusammen mit dem vorgelagerten Gärtchen an der Eger. Leider wurde dies mit der Schließung der Gastwirtschaft 1966 abgegeben (was wir sehr bedauern). Zwei Jahre später gehörte das Haus noch der Anker Brauerei und ging später in Privatbesitz über. (Quelle: Adressbücher der Stadt Nördlingen)
Wir, Karin und Peter Schmidt, erwarben das ehemalige Gasthaus im Jahre 2003. Nach gründlicher Planung haben wir es 2004 umgebaut und es zu dem gemacht, was es heute ist: ein Schmuckstück, das wieder Gäste empfängt.
Das Gerberviertel lag ehemals vor den Toren der Stadt. Es war ein „verruchtes” Viertel, da die Gerberei den Bürgern im wahrsten Sinne des Wortes „stank“. Heute ist es der wohl romantischste Ortskern der Stadt.
Das Ries entstand vor 15 Millionen Jahren durch den Einschlag eines Großmeteoriten, der mit einer Geschwindigkeit von gut
70 000 km/h auf die Erde aufschlug. Dieser Krater mit einem Durchmesser von ca. 25 km ist heute einer der am besten erhaltenen und erforschten Meteoritenkrater der Erde.
Das Rieskrater-Museum bietet eine Simulation des Meteoriteneinschlags und interessantes Anschauungsmaterial über die geologische Entwicklung der Umgebung.
Bereits um das Jahr 85 n. Chr. entstand ein römisches Kastell mit einer Siedlung, die jedoch im Jahre 259/260 bei der Eroberung des heutigen Süddeutschland durch die Alemannen unterging.
Im 6. und 7. Jahrhundert lässt sich eine alemannische Besiedlung nachweisen. "Nordilinga" wird im Jahr 898 zum ersten Mal urkundlich als karolingischer Königshof erwähnt.
Die Stadt Nördlingen wurde 1215 freie Reichsstadt, erhielt Marktrechte und Freiheiten und war dank der verkehrsgünstigen Lage bis etwa 1650 ein bedeutendes Handelszentrum. Die erste Stadtmauer wurde gebaut, deren Verlauf noch heute im Grundriss - u.a. an der Vorderen Gerbergasse - zu sehen ist. Mit dem Aufkommen des Seehandels geriet die Stadt wirtschaftlich ins Abseits. Die Entwicklung stagnierte. Welch ein Segen für uns! So wurde die Stadt nicht modernisiert, sondern “nur” die Bausubstanz erhalten.
Ein historischer Wendepunkt im Dreißigjährigen Krieg war die Schlacht bei Nördlingen im Jahre 1634, in der die schwedisch-protestantischen Kräfte erstmals entscheidend von den Kaiserlich-Habsburgischen Truppen geschlagen wurden.
Nördlingens mittelalterliche Altstadt ist von einer komplett erhaltenen Stadtmauer umgeben. Diese hat 5 Tore, 16 Türme und 2 Bastionen. Der Wehrgang ist noch vollständig erhalten und kann begangen werden. Ein guter Einstieg in die Stadterkundung, ebenso wie die Turmbesteigung.
Das Wahrzeichen Nördlingens ist der 90 m hohe Kirchturm der St.-Georgs-Kirche (gotischer Baustil), im Volksmund "Daniel" genannt. Dieser Name geht auf die biblische Figur Daniel zurück: “Und der König erhöhte Daniel und (...) machte ihn zum Fürsten über das ganze Land.”
Der Turm der St.-Georgs-Kirche ist der weltweit letzte, der bis heute ständig von einem Türmer besetzt ist. In früheren Zeiten stand er in ständigem Rufkontakt mit den Wachen auf der Stadtmauer. Heute erschallt nachts in der Zeit von 22 bis 24 Uhr halbstündlich vom Turm: „So G'sell So!“ Die Bürger machen sich einen Spaß darauf und rufen teils das gleiche zurück.
Zum Ruf des Türmers wird folgende Legende erzählt: 1440 versuchte Graf Hans von Wallerstein Nördlingen zu erobern. Um unbemerkt in die Stadt gelangen zu können, bestach er einen Türmer. Der hielt ein Tor offen. Als eine Webersfrau in der Nacht zum Bierholen ging, entdeckte sie das sich öffnende Stadttor, woran sich gerade ein entflohenes Schwein rieb. Daraufhin schalt sie lauthals das Schwein und den verräterischen Türmer: “So G'sell so!”
Alle drei Jahre wird die Geschichte der ehemals Freien Reichsstadt lebendig, wenn die Bewohner das Stadtmauerfest feiern. Neben alter Handwerkskunst werden Ritter- und Reiterspiele des Mittelalters geboten. Die letzten drei Stadtmauerfeste fanden bei herrlichstem Septemberwetter im Jahr 2004, 2007 und 2010 statt - 2013 wird wieder gefeiert.